Was ist Gynozentrismus – Weiberplage?

Weiberplage? Was ist Gynozentrismus?

Der Begriff „Gynozentrismus“ bedeutet, dass Frauen im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen. Ihre Interessen, Bedürfnisse, Gefühle und Sichtweisen haben oberste Priorität. Gewalt gegen Frauen gilt deshalb als besonders schlimm. Stirbt ein Soldat, ist das Tragische daran oft, dass eine Frau ihren Ehemann oder Kinder ihren Vater verlieren. Gynozentrismus stellt somit Männerbedürfnisse grundsätzlich hinten an.

Der Ausdruck „Weiberplage“ trifft daher nicht zu, auch wenn Webseiten wie weiberplage.de diesen Eindruck vermitteln. Das klingt im ersten Moment hart. Dennoch ist Gynozentrismus heute so verbreitet, dass er kaum noch auffällt. Viele nehmen ihn nicht einmal mehr bewusst wahr. Er ist zur gesellschaftlichen Normalität geworden – nicht mehr die Ausnahme.

Bereits kleine Details zeigen gynozentrische Denkmuster. Ein Bericht über eine Katastrophe nennt zum Beispiel oft zusätzlich die Zahl getöteter Frauen und Kinder. Die Zahl getöteter Männer bleibt dagegen meist unerwähnt. Männer erscheinen dadurch oft als Opfer zweiter Klasse. Stirbt eine große Zahl Männer, schweigen viele Medien sogar ganz. In solchen Fällen benutzen sie oft geschlechtsneutrale Begriffe für die Toten.

Weiberplage: die Bevorzugung von Frauen

Berichten Medien nach einer Katastrophe über betroffene Frauen, rücken sie diesen Aspekt oft in den Fokus. Dadurch entsteht eine ganz andere mediale Wirkung. Wären nur Männer betroffen, bliebe diese oft aus.

Ein praktisches Beispiel liefern die Morde durch die Terrorgruppe Boko Haram. Lange blieb die Berichterstattung darüber spärlich. Erst als die Gruppe junge Mädchen entführte, entstand ein massiver medialer Aufschrei. Plötzlich berichteten viele Medien intensiv über die Tat. Sogar ein eigener Hashtag auf Twitter machte die Runde.

Ein weiteres Beispiel verdeutlicht den zunehmenden Gynozentrismus in unserer Gesellschaft ebenfalls sehr klar.

Der Fall des Amokläufers Elliot Roger

Der psychisch labile Elliot Roger ermordete im Jahr 2014 sechs Menschen und verletzte 13 weitere. Danach nahm er sich das Leben. Bei diesem schrecklichen Attentat starben vier Männer und zwei Frauen. Trotzdem stellten viele Medien die Tat als reinen Frauenhass dar.

Doch Roger hasste nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Deshalb greift diese Darstellung zu kurz. Es handelte sich nicht ausschließlich um einen Akt des Frauenhasses.

Gewalt gegen Frauen

Gewalt gegen FrauenGewalt gegen Frauen stellt zweifellos ein ernstes gesellschaftliches Problem dar. Dieses verdient in jedem Fall Aufmerksamkeit. Trotzdem zeigen Statistiken, dass Frauen am seltensten von Gewalt betroffen sind. In 80 % aller Fälle trifft körperliche Gewalt Männer.

Greifen Medien das Thema Gewalt auf, geschieht das oft mit ausgewählten Unterkategorien. In der Hälfte der Fälle, bei denen der Täter ein Partner oder Familienmitglied ist, handelt es sich um weibliche Opfer. Es wirkt daher so, als würden gezielt Fälle mit hoher Frauenquote gesucht.

Grundsätzlich ist es kein Problem, wenn Medien ihren Fokus setzen. Kein Medium kann über alles berichten. Deshalb ist eine inhaltliche Auswahl völlig legitim.

Allerdings sollten Medien dabei nicht in eine einseitig gynozentrische Sicht verfallen. Frauen gelten als das „schwache Geschlecht“ und verdienen Schutz. Deshalb empfinden viele den Mord an einer Frau besonders tragisch. Ähnlich reagieren Menschen, wenn Kinder Opfer von Gewalt werden.

Alle Menschen sind gleich

Kein Menschenleben darf über ein anderes gestellt werden – unabhängig vom Geschlecht. Unser Wertesystem betont: Alle Menschen sind gleich. Deshalb verdient jeder Mensch auch in den Medien dieselbe Würde.

Daher müssen die Bedürfnisse von Männern und Frauen gleichermaßen ernst genommen werden. Männer sollten sich künftig weniger über ihre Leistungen für andere definieren. Auch ihr Selbstwert darf sich nicht nur aus der Meinung von Frauen ableiten. Nur so lassen sich gynozentrische Diskussionen vielleicht dauerhaft beenden.

Früher mussten Frauen ihre Rechte mühsam erkämpfen. Dieses Erbe verdient Respekt. Ein zu stark gynozentrisches Verhalten sollte diese hart erarbeitete Anerkennung nicht wieder gefährden.