Avatar

Freiheit und Liebe

T.R.E.Lentze ⌂, Montag, 06. März 2017, 23:32 (vor 51 Tagen) @ Agnes

und nicht verdient haben dass Gott öffentlich auftritt

Nun, er ist doch öffentlich aufgetreten, nämlich ingestalt von Jesus von Nazareth. Das war die Menschwerdung oder "Fleischwerdung" (= Inkarnation) Gottes.

und mindestens weil Gott sich niemandem aufdrängt, dafür ist er zu würdig, so würdig dass er sogar aus der Wahrnehmung verschwindet.

Das stimmt allerdings. Christus ist ja nicht einmal historisch wirklich belegt. Die zeitgenössischen Historiker haben ihn so gut wie gar nicht zur Kenntnis genommen. Und das hat seine tiefe Bedeutung: Uns ist die Freiheit geschenkt worden, an Gott zu glauben, oder es sein zu lassen. Wären wir durch Fakten gezwungen, Gott anzuerkennen, dann wäre uns die Freiheit des Glaubens genommen.

Wobei "Glaube" hier als ein emotionaler, nicht als ein kognitiver Akt zu verstehen ist. Das Wort "Glaube" hat nämlich zwei verschiedene Bedeutungen. Wenn wir "an jemanden" glauben, dann heißt das, wir stehen zu ihm und lassen damit ein Verhältnis entstehen; mit Glauben im Sinne einer Vermutung (zweite Bedeutung) hat das nichts zu tun.

Ein gläubiger Christ ist daher keiner, der sich mangels Beweise notgedrungen auf Vermutungen stützt, sondern einer, der etwas schafft, das ohne ihn ausgeblieben wäre: Liebe. Die rein auf Freiheit beruhende Liebe ist etwas Neues, sich erst in Zukunft Entfaltendes, und heute noch sehr schwer zu verstehen. Was man bisher "Liebe" nennt, ist fast immer noch an (eventuell unerkannte) Neigungen gebunden. Im gröbsten Falle sind das Bemutterungs- und Sexualtrieb, wie wir sie auch im Tierreich finden.

Wer den christlichen Glauben im Sinne einer Bevormundung oder als Ausdruck von machtorientierten Betrugsmanövern versteht, der hat ihn schlichtweg nicht verstanden. Allerdings haben die Kirchenleute zu diesem Mißverständnis zu einem guten Teil mit beigetragen. Wir können als Christen nichts Besseres tun, als zu versuchen, durch unser Beispiel zu wirken.

Inkarnation. Ich erinnere mich an mehrere frühere Leben.

Das ist auch für mich ein Thema. Ich erinnere mich nicht, aber ich habe keine Zweifel, daß derartige Erinnerungen in sehr naher Zukunft zu den normalen Fähigkeiten gehören werden. Wir evoluieren. Eigentlich ist die Erinnerung an frühere Leben ja nur die "höhere Oktave" der Erinnerung an den gestrigen Tag, nachdem wir eine Nacht der Bewußtlosigkeit durchgemacht haben. Tiere erreichen nicht einmal diese Bewußtseins- oder Erinnerungsstufe. Sie leben nur im Augenblick.

Allerdings ist heute noch Vorsicht geboten, über seine (vermeintlich?) früheren Leben zu reden. Steiner klagte oder mokierte sich darüber, daß er über 20 Frauen kenne, die behaupteten, in einem früheren Leben die Maria Magdalena gewesen zu sein. Man sollte nur im privaten Kreise sich darüber auslassen. Oder mit äußerster Strenge gegen sich selbst zum Thema kommen.

Gruß
trel


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum