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Wenn der Staat die Funktion der Kirche übernimmt...

T.R.E.Lentze ⌂, Montag, 06. März 2017, 21:02 (vor 20 Tagen) @ Der/Anarchist

...dann wird alles nur noch schlimmer.

Mein Verhältnis zur Kirche ist zwiespältig. Ich bin kein Mitglied irgendeiner Kirche, fühle mich aber einer bestimmten christlichen Gemeinschaft zugehörig, die sich über ihre Mitglieder finanziert.

Tatsache ist, daß heute der Staat, in Deutschland jedenfalls, die Funktion ausübt, welche bisher der Kirche vorbehalten war. Nämlich: den Bürger moralisch aufzurüsten und zu festigen. Der entscheidende Unterschied liegt darin, daß die Kirche niemanden bestrafen, allenfalls jemanden ausschließen kann, während der Staat die Andersdenkenden mittels Strafrecht ("Volksverhetzung", § 130 StGB) einsperren, ja sogar psychiatrisieren kann.

Das aber ist pervers, denn der Staat ist seiner ursprünglichen Bestimmung nach nicht dem (vermeintlichen) Seelenheil des Einzelnen verpflichtet, sondern ist zuständig allein für die innere und äußere Sicherheit. Dafür bedient er sich legaler und legitimer Machtmittel. Diese sind aber nicht dafür geschaffen, Gefühle und Gedanken des selbstbestimmten Bürgers, ja des angeblichen Souveräns (!), zu kanalisieren oder uns sonstwie zu betreuen. Wir haben ihn dazu nicht autorisiert.

Es gilt nun, die Ursache dieser staatlichen Fehlentwicklung zu ergründen. Sie liegt im zunehmenden Versagen der Kirchen. Meiner Ansicht nach haben die Kirchen eine genauso legitime und notwendige Funktion wie der Staat. Über viele Jahrhunderte sind sie ihrer Aufgabe auch überwiegend nachgekommen. Ich halte nichts davon, die Kirchen in Bausch und Bogen zu verdammen. Sie haben unzähligen Menschen Trost und Festigkeit gegeben. Die Klöster haben viele Menschen aufgenommen und seelisch gehalten, die sonst dem Hunger, der sozialen Ausgrenzung und/oder der völligen Ausbeutung anheimgefallen wären. Und nicht zuletzt haben die Klöster uns das antike Kulturerbe erhalten. Lange Zeit waren sie die fast einzigen Kulturträger überhaupt.

Und jetzt versucht eben der Staat diese Aufgaben zu übernehmen: ingestalt von zwangsfinanziertem öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Fernsehen, demnächst wohl auch einem Wahrheits-Ministerium (vgl. Orwells "1984"); mittels sexistischer Gender-Professuren, Sprach-Entstellung, Frühsexualisierung, Umvolkung, Zwangs-Inklusion, und eben der Strafjustiz gegen Meinungsverbrechen ("hate-speech" und "fake news").

Wer nun einwendet, die Kirche habe ja früher Hexen und Hexer verbrannt, der sieht es nicht ganz richtig. Exekutiv war allein der Staat. Die Kirche hat allenfalls kooperiert, hatte aber zunächst einmal ihre eigenen Anhörungsverfahren, und dies auf hohem Niveau.

Meiner Einschätzung nach gibt es auch heute noch unter Priestern und Pfarrern moralisch hochstehende Männer, wenn auch dünn gesät. So ist der verstorbene Prof. Huntemann einer der radikalsten Feminismus-Kritiker überhaupt gewesen. Durch ihn habe ich einiges gelernt!

Hiermit habe ich meine eigene Meinung zur Sache geäußert.

Grüße
trel

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