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Betr. Japan, Überalterung: Hält der "Spiegel" seine Leser für blöd - oder sind sie es bereits?

T.R.E.Lentze ⌂, Dienstag, 25. Oktober 2016, 20:53 (vor 124 Tagen)

Unter dem Titel Hohe Lebenserwartung, kaum Geburten - Alt, älter, Japan erschien auf spiegel-online heute ein Artikel. Darin eingestreut ist ein Lösungsvorschlag, der nicht begründet wird und auch gar nicht begründet werden kann, weil er offensichtlich absurd ist. Oder kann der "Spiegel" inzwischen auf eine Mehrheit von kaum noch kritischen Lesern rechnen?

Der absurde Vorschlag lautet so:

Damit sich grundlegend etwas verändert, muss sich die Gesellschaft wandeln - in Japan wie überall sonst auf der Welt. Einen wichtigen Punkt sehen Experten in der Gleichberechtigung von Mann und Frau: Erst wenn Männer viel Verantwortung im Haushalt übernehmen, können es sich Frauen leisten, Karriere zu machen und zusätzlich Kinder zur Welt zu bringen.

Auf eine Formel gebracht:

Viel männliche Hausarbeit → viele Geburten.

Doch wenn diese unterstellte Kausalität ein Abbild der Wirklichkeit wäre, dann müßte es früher, als die Geburtenrate höher war, mehr Hausmänner gegeben haben. Trifft dies zu? Natürlich nicht, wie auch dem nächsten Satz zu entnehmen ist:

Hier dokumentiert die "Japan Times" ebenfalls eine positive Entwicklung in dem asiatischen Land: Während Männer 1996 im Schnitt 27 Minuten täglich mit Haushaltsarbeit verbrachten, waren es 2001 bereits 49 Minuten und 2011 sogar schon 69 Minuten.

Da zeigt sich die wahre Korrelation. Auch diese sei auf eine Formel gebracht:

Immer mehr männliche Hausarbeit → immer weniger Geburten.

Wie sollte es auch anders sein? In dem Maße, als Weiber männliche Aufgaben übernehmen und im Gegenzug Männer zu Hausweibern werden, verliert sich die Potentialspannung der Geschlechter, also die sexuelle Anziehung. Und vor Allem: Durch die Gleichstellung können beide ihren jeweiligen Anlagen und Aufgaben nicht mehr voll gerecht werden. Männer werden an der Produktion (Erwerbstätigkeit) gehindert, Weiber an der Reproduktion. Es ist absolut unnötig, daß Weiber Karriere machen - es sei denn, eine innere Bestimmung triebe sie dazu. Es gibt diese Ausnahmen, aber sie dürfen nicht aus ideologischen Gründen zur Norm und zum politischen Programm erhoben werden.

Das ist ja im Grunde ganz leicht zu verstehen. Merkwürdig ist eben nur, daß eine offensichtlich absurde Behauptung wie die eingangs zitierte in dem Artikel eingestreut werden konnte. Ob hier eine bloße Denkschablone ursächlich war (männliche Hausarbeit als "positive Entwicklung", siehe oben) oder gezielte Manipulation, das wage ich nicht zu entscheiden.

trel

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