Avatar

"Sie wollen uns Angst machen" - wer wem? Die Terroristen dem Staat; der Staat dem kritischen Bürger.

T.R.E.Lentze ⌂, Samstag, 14. November 2015, 14:02 (vor 497 Tagen) @ admin

In einem Kommentar des "Spiegel"-Redakteurs Roland Nelles (Titel: Terror in Frankreich: Sie werden diesen Kampf verlieren) lese ich die Worte:

Mit dieser perfiden Strategie wollen die Terroristen uns Angst machen, politisches Chaos stiften und die freie Art, wie wir leben, zerstören.

Da hat er unzweifelhaft recht.

Aber auch die Staatsanwältin, die mir die Löschung dieses Forums nahelegte, erklärte mir ungefragt und unumwunden (und sicher in Übereinstimmung mit ihren Vorgesetzten), daß schon die Wohnungsdurchsuchung und Rechner-Sicherstellung vom 4. Februar 2014 den Zweck verfolgt habe, mich (seelisch) zu "belasten", also zu schockieren, zu ängstigen und einzuschüchtern. Klar, einen anderen Sinn können solche Maßnahmen ja auch kaum haben, denn was sollte in meinen persönlichen Aufzeichnungen gefunden werden, was ich nicht schon veröffentlicht habe? Und selbst wenn: das Verborgene hat keine volksverhetzende Wirkung.

Es ging also nur darum, mich zu demoralisieren. Genau das, was der Staat sich von den Terroristen bieten lassen muß, wenn auch in einem viel größeren Maßstab. Aber wie reagiert der Staat darauf? Mit demonstrativem Optimismus, wie es in den Titel-Worten des oben zitierten Artikels zum Ausdruck kommt. ("Sie werden diesen Kampf verlieren".)

Was will ich hiermit sagen?

Einerseits: Der Staat hat seine Bürger zur Ordnung zu rufen, notfalls mit Zwangsmaßnahmen. Aber das ist nur die Hälfte der Wahrheit.

Denn - anderseits - muß auch der Bürger den Staat zur Ordnung rufen. Nicht umsonst heißt es: Unsere Grundrechte sind Schutzgesetze gegen den Staat. Und daß Staaten potentiell die mächtigsten aller Terror-Organisationen sind, das wissen wir seit der Französischen Revolution, seit Lenin, Hitler, Stalin, Mao, und so weiter. Ja, der Begriff "Terrorismus" bezog sich ursprünglich auf den Staat, nicht auf seine Gegner.

Also, nicht nur der einzelne Staatsbürger kann über die Stränge schlagen; der Staat kann es auch. Und wenn er es tut, dann sind die Folgen weitaus schlimmer, sogar viel schlimmer, als wenn sich Einzeltäter zu größeren Gruppen organisieren, wie es im Falle der gestrigen Ereignisse in Paris offenbar der Fall gewesen ist. Gewiß, hundertdreißig Tote, das ist schlimm. Aber die Opfer terroristischer Staaten gehen bisweilen in die Millionen.

Darum sage ich: Wehret den Anfängen! Nicht durch Angriffe. Aber durch zivilen Ungehorsam, wo es sein muß, und durch vernünftige Argumentation.

Nicht der kritische Bürger ist es, der den Dialog fürchtet!

trel
------------

[image]


gesamter Thread:

 RSS-Feed dieser Diskussion

powered by my little forum